Mit einem musikalisch-literarischen Abend am Montag, dem 31.5. 2010, 19.30 Uhr, bietet die 64. Greifswalder Bachwoche gleich am ersten Abend ein Staraufgebot: Jochen Kowalski, einer der außergewöhnlichsten und international erfolgreichsten Altisten unserer Zeit, und Dieter Mann, schauspielerisches Urgestein des Deutschen Theaters Berlin, treffen im Kaisersaal der frisch restaurierten historischen Greifswalder Stadthalle aufeinander. Dieter Mann liest Puschkins Meisternovelle „Pique Dame“ und Jochen Kowalski singt – eingeflochten in die dramatische Handlung – Romanzen russischer Komponisten nach Texten von Alexander Puschkin.
Genau der richtige Einstieg in das Thema der 64. Greifswalder Bachwoche: „Bach und Russland“! Auf vielfältige und oft überraschende Weise wird in 22 Konzerten und 15 weiteren Veranstaltungen eine Wurzel der gemeinsamen europäischen Kulturtradition freigelegt. Die vitale Rezeption Bachs durch die russische Musik wird u.a. am Miteinander der Aufführungen von Bachs Matthäuspassion (1.6., 20 Uhr, Dom St. Nikolai) und der „Passion und Auferstehung Jesu Christi nach Johannes“ von Sofia Gubaidulina (6.6., 19 Uhr, Dom St. Nikolai) erlebbar. Dieser Schluss- und Höhepunkt der Bachwoche verlangt einen riesigen Aufführungsapparat, u.a. vier Solisten, zwei Chöre, großes Orchester mit vielen Streichern, Schlagzeugern und besonderen Bläserfarben wie Wagner-Tuben sowie Orgel. Sofia Gubaidulina ist neben Alfred Schnittke, von dem ebenfalls Werke erklingen werden, die führende russische Komponistin der Gegenwart.
Musik u.a von Tschaikowski, Rachmaninow, Schostakowitsch und Strawinski ergänzt das reizvolle Programm. Die große Kammermusik (4.6., St. Jacobi) mit Musikern der Komischen Oper Berlin bietet neben Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 5 u.a. Glasunows Saxophonkonzert; gleich zweimal wird zum Kinderkonzert mit Prokofjews „Peter und der Wolf“ eingeladen (2.6., 11.30 Uhr und 15 Uhr, Dom St. Nikolai); auf der traditionellen Dorfkirchenreise (3.3., ab 11.15 Uhr) erklingen in Ranzin und Liepen (Nordvorpommern) Bachs „Musicalisches Opfer“ und russische Harfenmusik; Mussorskis „Bilder einer Ausstellung“ werden in einer Version für Blechbläser und Schlagzeug zu hören sein (4.6., 22 Uhr, Stadthalle); Bachs Orgelwerke erklingen auf der Orgel und – wie seinerzeit in Russland üblich - als Klaviertranskriptionen (5.6., 24 Uhr, Dom St. Niklolai); Werke von Bach und Gubaildulina werden auf dem Bayan, der russischen Form des Akkordeons, dargeboten (Elsbeth Moser, die international führende Bayan-Solistin, 5.6., 22.00 Uhr, Katholische Kirche St. Josef). In die Zukunft weist ein Tanz-Projekt, das die Greifswalder Bachwoche in Zusammenarbeit mit dem BallettVorpommern realisiert: Pommersche Jugendliche tanzen zur Musik von Bach und russischen Komponisten (5.6., 12 Uhr, Dom St, Nikolai). Kostenlos für alle sind wieder die täglichen Geistlichen Morgenmusiken, in denen jeweils eine Bachkantate aufgeführt wird sowie das Kantanten-Mitsingprojekt. Die Predigt im Festgottesdienst (6.6., 10 Uhr, Dom St. Nikolai) hält der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich.
Die 24seitige Programmbroschüre ist kostenlos zu beziehen bei der Geschäftsstelle, Bahnhofstr. 35/36, 17489 Greifswald, Tel.: (03834) 863521; Fax: (03834) 594228; aeheike@greifswalder-bachwoche.de.